jay keim
S21 - Genialität in Reinform

Im Jahr 10.250 nach S21 finden im Zentrum des Kraters, welcher durch einen Kometeneinschlag enormer Größe im Jahr 2022 entstand, Geologen auf der Geo Position 48°47'2.70"N 9°10'53.89 E eine 100 mal 100 Meter große Platte.

Sie war komplett aus seltenen Erden gefertigt und trug die Inschrift:

ytinasni siht hsinif ot tnes - Zaphod Beeblebrox.

Lange Jahre versuchten die Wissenschaftler mehrerer Galaxien die mysteriöse Botschaft auf der Platte zu entziffern. Vergeblich!

Bis eines Tages im Grab des vorletzten Bürgermeisters von Stuttgart - eine Art Pharao damaliger Zeit - in den Grabbeigaben eine aus purem Gold gefertigte Kassette gefunden wurde. Darin mehrere tausend Seiten Papier (ein damaliger Datenträger weicher Konsistenz) welche die Planung und den Beginn von S21 - Motto: "Super ist erst nach 21.000 Fehlern" dokumentierten.

Der Ursprung des Mottos wurde von Geschichtsforschern dahingehend interpretiert, als das es offenbar zu Beginn der Bauarbeiten von s21 ein unbrauchbares Flughafenprojekt gab, welches planfestgestellt mit 20.000 Fehlern behaftet war.

Dies nun war auf den Datenträgern weicher Konsistenz festgehalten:

Im Zuge des Zusammenschlusses mehrere Europäischer Staaten in einer Art demokratischem Königreich nach Art Ludwig des 14., hatten sich gelangweilte, mehrheitsfähige Abgeordnete des Europaparlamentes in Brüssel zu einer Sauftour zusammengefunden und einen genialen Eisenbahn Verkehrsplan quer durch Europa ersonnen.

Das Zentrale Highlite sollte Stuttgart sein, welches mittels einer quirlligen Werbeagentur zum ultimativen Zielort aller Touristen des Erdballs erklärt wurde. Die Strecke wurde folgendermaßen definiert: Von Farör über Kirkwall nach Thurso. Danach weiter über Fort William, Glasgow, London, Paris, Stuttgart, Leinfelden, Plieningen, Kirchheim, Temmenhausen, Ulm, Bratislava ,Peking. Wasserseitig sollte die Strecke mit High Speed Katamaran Eisenbahnfähren bewältigt werden, welche mindestens 2 Lok's und 27 (die Glückszahl eines Abgeordneten) Waggons aufnehmen konnten.

In Stuttgart lief das Projekt zu extremer Genialität auf. Als Sponsor derselben konnte ein großes, alteingesessenes Kaufhaus gewonnen werden, welches in einer sprechenden Finanzierungsvereinbarung fabulierte, irgendwann einmal, in naher Vergangenheit, zukünftig die Kosten zu übernehmen.

Geplant war, dass der Zug Stuttgart mit ca. 350 kmh anfuhr, kurz davor auf 210 kmh abgebremst wurde und seitlich an einen anderen parallel fahrenden Zug andockte. Konsumwillige konnten bei diesem Manöver aussteigen. Der parallele Wagon der Willigen sollte dann abgekoppelt und im Bahnhofsgebäude zum Stillstand gebracht werden. Die freiwerdende Energie würde 6 Monate ausreichen um die Straßenbeleuchtung der Stadt zu versorgen. Die Anzahl der Konsumwilligen wurde vorsichtig mit 98% beziffert, was das Sponsorenkaufhaus bereits im Vorfeld unsäglich beglückte und zu zahlreichen Neubauten veranlasste.

Da der bisherige Bahnhof von Stuttgart im passablen Originalzustand nur unter erschwerten Umständen mit 350 kmh durchfahren werden konnte, planfeststellte man mittels eines Art Ermächtigungsgesetzes, welches praktischer weise unnötige Einwürfe von kompetenten Ministerien unterband, kleinere Umbauten. Ermächtigt wurde das Eisenbahn Bundesamt Karlsruhe/Stuttgart. Im Finanzierungsvertrag von s21 übernahm man die, bereits mit dem Sponsorenkaufhaus vereinbarte geniale Zahlungsklausel. Durchführen sollte den Bau die Deutsche Bundesbahn, da sie über einen enorm amüsanten Unterhändler mit leicht verrutschter Brille verfügte.

Super genial war auch aus Sicht des damaligen Pharaonen, den Sie Bürgermeister nannten, dass die lästigen uralten Bäume im Schlossgarten beseitigt werden konnten. Es war schon besorgniserregend oft vorgekommen, dass durch sie die Feinstaubwerte in der Innenstadt erheblich gesenkt worden waren und eventuell die Gefahr bestand dass man ein Einfahrverbot für nicht Cat Fahrzeuge nicht mehr aufrechterhalten konnte

Ferner trugen die Bewohner eine offensichtlich strahlende Gesundheit zur schau, was Arztpraxen und deren Lobby erhebliches Kopfzerbrechen verursachte.

Zum massive Problem wurden einige Gallier welche die Region damals bewohnten, welche noch im Besitz von Taschenrechnern und einer Art gesundem Menschenverstand waren. Ihre haltlos anmaßenden Behauptungen, das Projekt würde weit mehr Taler benötigen als suggeriert und uralte Bäume wären ein zu erhaltenes Kulturgut, konnte mit Hilfe einer super Erfindung aus der Tüftlergemeinde locker vom Tisch gefegt werden.

Dem Gesetz und Verordnungs Turboquirl.

Das Grundprinzip - wiederum extrem genial - besteht darin, einigermaßen sinnige, verständliche Gesetze und Verwaltungsvorschriften in einen Behälter zu stecken und mit ca. 12,5 Mio. Umdrehungen durchzuquirlen. Ein geheimes Mutationsprogramm fertigt damit ein kaum rechtskonformes Vertragswerk welches nach Bedarf geformt werden kann. Es ist mit Fußnoten und Anmerkungen gespickt, so dass das Werk nicht mehr wirklich zu durchschauen ist. Ein seriöser Jurist wird sich daher hüten, Kommentare, welche über eine politisches Blah Blah hinausgehen, unvorsichtig abzugeben.

Die Gallier wurden von den S21 pro Germanen in einem Volksentscheid insofern überstimmt, als das s21 als lebenswichtiges Projekt erachtet wurde und der enorm amüsante Unterhändler mit leicht verrutschter Brille der DB schwor, dass die Taler Bereitstellung mehrere tausend % sicher wäre. Das überzeugte auch den Pharao.

Pünktlich 8 Sekunden nach Verkündung des Ergebnisses des Volksentscheides "ja für s21" konnte der enorm amüsante Unterhändler mit leicht verrutschter Brille die Taler leider nicht mehr finden.

Das Chaos begann.

Der Komet machte sich auf den Weg

Für das Entziffern der Inschrift war es zu spät.

S21 - der Baum


©Jay Keim 2017